Sonntag, 17. Mai 2009

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leuchte-kaffeebar, Köln-Südstadt.

Gestern habe ich etwas ganz besonderes erlebt. Wie ich schon des öfteren erwähnt habe, bin ich ein Fenstergucker. Mir fallen besondere Fenster auf und ich glotze dann auch schon mal hinein. Dort sind dann viele Dinge zu entdecken. Ich versuche mir immer vorzustellen wer in den Häusern wohnt und manchmal erzähle ich mir im Kopf ein paar Geschichten dazu.

Nun steht die Gemeinschaftsausstellung des Projekts "Horizont" der AKI, Ende Mai statt. Meine Idee war es, weiterhin Fotos von Fenstern zu machen.

Was hat das mit Horizont zu tun? Ich wollte den Begriff nicht wörtlich übernehmen, sondern es auf meinen eigenen Blick, meinen eigenen Horizont übertragen.

Da ich immer nur vor dem Fenster stehen und einen kleinen Blick erhaschen kann, habe ich mir die Aufgabe gestellt, an den Türen zu klingeln, um die Menschen kennenzulernen und einen breiteren Blick in die Wohnung, in ihr Leben zu bekommen. Meinen Horizont erweitern.

Das habe ich gestern gemacht. 3 Häuser habe ich besucht. Es kostete mich etwas Überwindung und ich denke deswegen mache ich das wieder alles auf den letzten Drücker.
Angefangen habe ich bei einem Studentenhaus. 2 Studenten empfingen mich erfreut und erzählten mir einige Dinge. Es geht mir nicht nur um die Fotos, sondern auch um die Menschen selbst. So habe ich erfahren was sie über das Studieren denken, welches Verhältnis sie zu Deutschen in Enschede haben, dass sie im Gegensatz zu anderen Studentenhäusern sehr sauber und ordentlich sind.

Diesen ersten Besuch hat mich meine digitale Kamera begleitet. Ein fataler Fehler, da ich mit diesem Ding einfach nicht mehr fotogarfieren will. Ich habe den Eindruck meine analogen Bilder leben mehr, sagen viel mehr aus. Frustriert bin ich nach dem ersten Besuch nach Hause gefahren und habe meine analoge Kamera mitgenommen. Und Pim.

Zusammen haben wir dann an einem wunderschönen historischen Haus geklingelt, wo es ersteinmal hieß die Klingel des Hauses zu finden. Es war eine altmodischer Knauf an dem man ziehen musste um die kleine Glocke in der Wohnung erklingen zu lassen. Wunderbar! Geöffnet hat mir eine Dame. Eine vornehme Familie hatte ich den Eindruck. Sehr nett haben sie uns in ihr Reich gelassen und sich von uns nicht stören lassen. Der Herr des Hauses schaute ein Radrennen im Tv, die Tochter besuchte ihre Eltern. Sie unterhielten sich über Probleme, während ich immer wieder auf das Knöpfchen drückte. Ich erfuhr, dass sie eigentlich mehr in Frankreich sind als hier in diesem wundervollen Haus.

Danach fuhren wir zu meinem Lieblingsfenster. Zuvor einige Male geklingelt, stand die alte Dame mit ihren schneeweissen Haaren am Fenster. Als ob sie auf uns gewartet hätte. Es war so beeindruckend für mich, mit dieser Dame eine Stunde zu sprechen, nebenher Fotos zu machen... Als wir uns wieder verabschiedeten war ich traurig und froh zugleich. Wenn die Fotos entwickelt sind (ich bete zu Gott, dass sie gut werden!!!), schreibe ich einen eigenen Post darüber.

Es hat meinen Horizont erweitert. Und das nicht nur in meiner Arbeit, sondern in meinem Kopf!

Einen gemütlichen Sonntag!

Kommentare:

dietauschlade hat gesagt…

find ich eine sehr sehr tolle idee!!! (dachte bei deiner 'berichterstattung' gleich an einen satz, den eine meiner schülerinnen letztens in einer geschichte geschrieben hat:
"Aber er dachte an seinen Großvater, der immer sagte, dass sich hinter jeder Tür ein Abenteuer verbirgt.")

Fräulein Julia hat gesagt…

Wow. Ich bin begeistert. Ich glaube nicht, dass ich mich sowas trauen würde!

Maike Hemmers hat gesagt…

super nicki. bin stolz auf dich, dass du das gemacht hast. eine wirklich wundervolle idee. ich will noch mehr sehen und hören. mach ein buch! :)

Pfefferminza hat gesagt…

Total spannend! Sehr cooles Projekt! Warte gern auf den ausführlichen Bericht...! =)

frl. blume hat gesagt…

Ich habe sowas vorletztes Semester auch in ähnlicher Form gemacht. Wollte deutsche Paare fotografieren, in ihrem Wohnzimmer auf der Couch und hab deshalb auch wahllos an Häusern geklingelt (also nicht wahllos, schon gezielt da wo ich wusste, das ein älteres Pärchen dort wohnt).
Sind ziemlich lustige Bilder bei rausgekommen und ein sehr interessantes Büchlein (es ging nebenbei auch noch darum, wie sich die Pärchen kennen gelernt haben. Sehr spannend!).
Und es ist nicht zu glauben, wie viele von den älteren Paaren Stofftiere auf dem Sofa sitzen haben...

Sophie hat gesagt…

Das ist ja eine schöne Idee, finde ich genial. Und irgendwie passt das sehr gut zu dem Eindruck, den man aus diesem Blog von dir gewinnt. Diese liebevollen Kleinigkeiten.

april hat gesagt…

ich bin auch eine fensterguckerin! und bin beeindruckt wie mutig du bist. ich muss mir nun mal meine gedanken zur analogen kamera machen. ist vielleicht ähnlich wie bei der musik - auf vinyl oder cd...die musik tönt nach mehr, lebt mehr auf vinyl. pim muss ein wunderbarer begleiter sin. sende dir liebe grüsse von herzen*

kübra yücel hat gesagt…

Wie toll! Spontane Hausbesuche machen wir beim Freihafen immer! Sammeln einen Menschen auf der Straße auf und fragen, ob wir mit ihnen nach Hause dürfen. :) Haben schon die schrägsten Menschen besucht. Kannst ja mal reinschauen: http://jphh.de/?page_id=9
Hier sieht man alle Freihafen-Ausgaben und in jeder (der neueren) Ausgaben ist ein Hausbesuch. Die sind manchmal total lustig. :)