Sonntag, 8. Februar 2009




Ist es euch einmal passiert das ihr Dinge nicht..wie soll ich sagen...kwijt kunt...wie es die Niederländer so schön ausdrücken. Das heisst Dinge nicht ausprechen könnt weil euch dafür ein Ventil fehlt?
Es geht nicht um die schwierigen Themen des Lebens oder den besonders ereignisreichen Erlebnisse. Es geht um das was ich jeden Tag sehe, denke, fühle. Jemanden der genauso sieht, denkt und fühlt. Natürlich nicht in allen Bereichen, aber die Grundstimmung. Um die geht es.

Habt ihr schon mal das Gefühl gehabt einen Menschen zu suchen? Ja...wahrscheinlich nach der perfekten Beziehung. Wer hat das noch nicht erlebt. Aber hattet ihr mal das Gefühl auf Suche nach einer Freundin zu sein? Ich noch nicht. Bis jetzt.

Neulich habe ich in diesem Blog gelesen: gelernt: dass man sich doch viel entspannter in einen Unikurs setzt, wenn man nicht auf der Suche nach neuen Freunden ist. verlernt: Engagement im Freundefinden zu zeigen.

Es geht nicht darum das man keine Freunde hat. Irgenwie sind immer Menschen um einen herum, die gut tun und freundlich sind, mit denen man Kaffee trinken geht und auf eine Party. Auch mal weinen kann und natürlich auch lachen. Aber ich meine vielmehr eine Leidensgenossin, eine Seelenverwandte oder besser gesagt eine die im selben Takt schlägt.

Auch das habe ich. Ein paar hundert Kilometer weit enfernt. Ich höre auch bis hier hin den Takt schlagen Ungefähr so: tik...tik...tik...tik.tik...tik...tik...tik.tik... Ungewöhnlicher Rhytmus, aber es ist gut gestimmt. Manchmal ist es schwierig, dieses Ticken wahrzunehemen, dann wenn es mal Zeit ist doch die Freundin auf dem hauseigenen Omi Sofa sitzen zu haben mit einer heissen Schokoladen und einem dämlichen Film, um dann mal wieder das wenn und aber, das warum und weshalb und die ist doof und das nervt mich oder hast du das gesehen zu besprechen... Dann reicht es nicht zu telefonieren, Briefe zu schreiben...dann will man mit jemanden vis a vis sprechen, lachen und weinen.

Das Freundschaftsding verändert sich im Laufe der Jahre. Dann wenn andere wichtige Dinge dazu kommen, wie der Beruf, der plötzlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als es in der Schule jemals war, das dann nicht mehr Zusammen-sein mit dem Freund sondern das Zusammen-leben mit dem Freund, welches auch viele der Freundinnen-Dinge ersetzt. Dann wenn man plötzlich nicht mehr im Umkreis von 10 km wohnt, sondern sich den Aufenthaltsort, je nach Beruf, Beziehung oder anderen Interssen aussucht. Dann wenn man die Entscheidung trifft, selbst einen Schritt weiter zu gehen als die, die man zurück lässt. Dann wenn man hört: Eine gute Freundschaft hält die Entfernung aus und sich fragt: Waren diese Freundschaften so gut? und bald merkt: Die wenigsten. Vielleicht eine.

Dann wenn man sich selbst fragen muss ob die eine oder andere Freundschaft noch Sinn macht? Wenn man merkt man hat sich nichts zu sagen. Der Takt ist dann nicht mehr der gleiche und es hört sich grausam an.
Soll man den alten Pantoffel dann weiter tragen oder mutig sein und ein paar Neue suchen, in der Hoffnung das sie in der benötigten Grösse zu haben sind?
Mutig sein und vielleicht mal eine Weile kalte Füsse haben.

Aber auch hier klappt das Suchen nicht. Es ist wie mit allen Dingen die man sich wünscht und nicht kaufen kann. Wenn sich der Umkreis verändern, man in einem neuen Land ist, andere Gewohnheiten als bisher hat und die Interessen sich ändern ist es nur eine Frage der Zeit bis sich auch in Sachen Freudschaft etwas ändert. Sich Zeit nehmen und hin und wieder die kalten Füße in Kauf nehmen.

Kommentare:

Orangeplaty hat gesagt…

Oh, das kommt mir bekannt vor. Guck mal hier, da habe ich auch mal über ein sehr ähnliches Thema geschrieben:
http://orangeplaty.blogspot.com/2007/11/freundschaft.html
Wenn sich die Lebensumstände ändern, ändern sich auch die Freundschaften.
Ich habe mittlerweile gemerkt, dass die beste Frauenfreundschaft, die ich mal hatte, nicht mehr so sein kann wie sie war, weil ich einfach nicht mehr Single bin. Als Single hat uns mehr verbunden. Jetzt bespreche ich alles, was mich beschäftigt, mit meinem Mann. Ich brauche keine beste Freundin mehr, das ist mir klar geworden. Ich hätte gern jemand ausgelassenen zum Tanzengehen, aber man kann vergangene Zeiten nicht noch einmal heraufbeschwören. Alles hat seine Zeit.

lg,
orangeplaty

Maike Hemmers hat gesagt…

Machs wie Herr Grimm. Höre auf zu suchen. Nach dem Perfekten. Nach der Einen.

nicki hat gesagt…

sag ich ja!

nicki hat gesagt…

orangeplaty, natürlich der freund/mann ersetzt einige dinge. aber trotzdem finde ich eine freundin ebenso wichtig. So als ausgleich. es gibt dinge die will ich auch mit anderen teilen..

Orangeplaty hat gesagt…

Ja, da hast du Recht. Ich meinte nur, dass die Freundschaft, die ich hatte, eher so eine Single-Frauen-Freundschaft war. Und die brauche ich nicht mehr.;)

pamplemousse hat gesagt…

das hätte ich auch so schreiben können! vor allem den teil mit den leuten, die man zwar ganz nett findet und mit denen man gern mal was macht, aber dass man auch gern mal jemanden hätte auf der gleichen wellenlänge und mit denselben interessen! puh

Anj hat gesagt…

Ich habe das Glück, wunderbare Freunde in meinem Umkreis zu haben. Und deshalb habe ich auch das Glück, mich entspannt in einen Unikurs zu setzen und nicht wie viele andere, die neu zugezogen sind, die so schnell wie möglich Anschluss finden wollen. Sicher wird sich das irgendwann ändern, sicher trennen sich irgendwann die Wege und man sieht sich seltener wenngleich ich bei meinem Freundschaften auch von solchen fürs Leben ausgehe.
Aber bis dahin kann ich mich zurücklehnen und nur immer wieder betonen, dass ich mein Glück zu schätzen weiß.

Julia hat gesagt…

schöne worte! und sehr wahr... auch ich habe ein ticken verloren - meinen eigenen rhythmus - nach dem studium - ein dicker bauch und nur kinderlostickende freunde... ich dachte nie dass es wirklich so ist, aber man geht sich irgendwie "verloren"... und dann kalte füße, warmgepustet oder warmgelaufen.. und irgendwann hört man es wieder das ticken... auch in der ferne!
danke.

nicki hat gesagt…

Danke für eure Kommentare!

Julia, danke dir! :) Du hast es ebenfalls so schön ausgedrückt. Ich kann mir vorstellen das sich mit einem Kind nochmal alles wandelt.

pamplemousse, ja die richtige Wellenlänge die fehlt ganz oft.

karin hat gesagt…

Ich denke, das ist eines der schwierigsten Dinge überhaupt.
Es ist , finde ich nicht einfach, so eine Seelenverwandte zu finden. Leute, mit denen man sich gut versteht natürich schon, aber das bißchen viel mehr, daß dazugehört, ist selten.